Wenn Google weiß wie krank Du bist

Der ständige Strom an Daten rauscht nur so an uns vorbei. es gibt nur wenige, die sich die Mühe machen, gegen diesen Strom anzukämpfen. Viele von uns lassen sich einfach mit dem Datenstrom treiben. Treiben in einer digitalisierten Welt, in der viele weder den Anfang, noch das ende genau kennen. Oder wissen Sie etwa, welche Ihrer Daten, die Sie Tag für Tag ganz selbstverständlich hinterlassen, verarbeitet werden?

Wenn große Daten leben retten

Wer krank ist, der sollte zum Arzt gehen. Doch bevor viele den Gang zum Doktor antreten, betätigen sie sich in der „Selbstdiagnose“. Nicht selten wird im ersten schritt bei Google gesucht, was denn dieser Schmerz sein könnte. Selbst wenn klar ist, dass der Arzt ob der „Selbstdiagnose“ meist nur müde lächelt.

Doch gerade dieses Verhalten ist für Google von großer Bedeutung. Ein Beispiel: Im Februar 2013 konnte man eine erhöhte Suchanfrage bei Google in den Bereichen rund um „Grippe“, „Grippevorsorge“ und „Hausmittel gegen Grippe“ feststellen (Google Trends). Hierzu entwickelte Google sogar eine eigene Seite, die Google Flu Trends. (www.google.org/flutrends/) denn beim Suchmaschinenkonzern hat man schon vor einiger Zeit festgestellt, dass die Häufigkeit bestimmter Suchbegriffe Anhaltspunkt für die Häufigkeit von Grippefällen sein kann. Für die Google-Grippe-Trends werden Daten der Googlesuche gesammelt und ausgewertet. auf Grundlage der Ergebnisse wird anschließend die Häufigkeit von Grippefällen geschätzt.

Rund vier Wochen, nachdem man bei Google die erhöhten Suchanfragen feststellen konnte, titelten die großen Zeitungen „Arztpraxen überfüllt, der Grippevirus breitet sich aus“ oder „Deutschland steht eine Grippewelle bevor“.

Was wäre, wenn sie schon heute wüssten, ob ihre Mitarbeiter nächste Woche krank sind? Ließen sich Ressourcen und Fachabteilungen nicht ganz neu strukturieren und einteilen? Selbst einzelne lokale Suchanfragen können heute äußerst präzise ausfindig gemacht werden.

Die Logik des Algorithmus

Mit solchen und ähnlichen Fragen beschäftigt sich die Plattform kaggle.com. Hier treffen sich die besten Mathematiker, Informatiker, Statistiker und Datenwissenschaftler. im Gegensatz zu anderen Plattformen entwickeln sie nicht nur miteinander, sondern sie treten gegeneinander an.

Die Aufgaben sind vielfältig. so ist es zum Beispiel nicht ungewöhnlich, wenn ein super- markt bittet vorherzusagen, wann ein Kunde das nächste Mal einkaufen kommt und wie viel er dabei ausgeben wird.

Dafür stellt der Anfragende, in diesem Fall ein Supermarkt, den Analysten ein Datenset bereit. In diesem befindet sich das Shoppingverhalten von 50.000 Kunden. Eine Vorhersage gilt immer dann als richtig, wenn das Datum und die Umsatzsumme (+/– zehn euro) des nächsten Einkaufs genau vorhergesagt wird. So gelang es einem der Wissenschaftler das Shoppingverhalten um ca. 200 % besser vorherzusagen als der auftraggebende Supermarkt.

Deutschland einig Stauland

Aber nicht nur die Gesundheitsbranche und der Handel können von den großen Datenmengen, die wir Tag für Tag hinterlassen, profitieren. Jeder einzelne von uns nimmt das Produkt „Daten“ heute schon in Anspruch. in einer Zeit, wo eben dieses ein fast unbezahlbares Gut ist. Allein im Jahre 2012 meldete der ADAC auf deutschen Autobahnen 230.483 stunden stau. Würde das eine Person allein absitzen müssen, könnte diese erst nach rund 26 Jahren wieder losfahren. Wer freut sich da nicht, wenn am Nachmittag mitten auf der Autobahn eine freundliche stimme darauf hinweist: „ihre Route enthält Verkehrsstörungen. Eine neue Route wird berechnet“, und man so den Stau umfährt.

Die Daten dafür werden mit unseren smart- phones von uns selbst generiert und von Maschinen weiterverarbeitet.

Es braucht ein Datenbewusstsein

Und auch wenn sie all diese Erkenntnisse und Beispiele nun abschrecken, so sollten sie sich bewusst sein, dass es unmöglich ist, Daten nicht zu hinterlassen. Ob die Paybackkarte in ihrem Portemonnaie, der Griff zum Handy, oder die Suchanfrage in einem Internetbrowser. Aus Daten ziehen wir unsere Informationen und Erkenntnisse.

Es gilt fast schon als selbstverständlich, dass man sie generiert. Aber nicht als selbstverständlich, dass jemand anderes etwas damit etwas anfängt. Hier müssen wir ansetzen und Aufklärung betreiben, was Daten zu leisten im Stande sind. Daten sind weder gut noch böse. Dafür sind sie zu komplex.

Man kann daher nicht von jedem erwarten, dass er sich selber in diese technisierte und komplexe Welt einarbeitet. es braucht Fachleute, die unsere rechte vertreten und in entscheidenden Augenblicken vermitteln. Erst dann entfalten Daten die Wirkung, die sie zu leisten imstande sind. Und vielleicht kann man dann auch rechtzeitig die Grippeprophylaxe betreiben.

Dieser Artikel erschien auch im Führungskräftemagazin

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