Bolzplatz oder Fairway

FC Merkur, Lüner SV, Eintracht Dortmund … VFR Sölde. Letzteres war mein Verein. Doch die Sportplätze der Dortmunder Region und ihre rote Asche gehörten einfach dazu. Kunstrasen? Fehlanzeige. Der VFL Schwerte hatte da so einen Platz, aber wirklicher Kunstrasen war das auch nicht.

Es gab nur einen Ground

Den Sportplatz am Rosengarten. Obwohl ich dort nie Rosen gesehen habe. Das einzige was dort rot war, war die feine rote Asche, die ich heute noch in meinem Knie spüre. Hier hab ich gefühlt meine gesamte Kindheit verbracht. Ob bei 36°C und staubiger Lunge, strömenden Regen und durchtränkten Asche-Klamotten, oder -4°C und zärtlichen Eisplatten im 16er.

Ich war Torwart. Die örtliche Zeitung nannte mich den Teufelskerl, Torwart mit den Tausend Armen, weil ich gegen den BVB09 im E1 Pokalfinale nur 4 Bälle durchließ. Es gab für mich nichts anderes, als wie meine Idole, Titan-Kahn und Peter Schmeichel, durch den 16er zu hechten. Letzteren fand ich super, weil er Däne war und wir da immer so oft im Urlaub waren und Softice gegessen haben.

Ich liebe diese Erinnerungen an die Zeit, wo es nichts gab außer Fußball mit den Jungs. Torwart Training mit Papa. Und wenn wir nicht selber spielten, kreidete ich den Platz ab. Krum und schief waren die Linien oft, aber das störte kaum jemanden in der Kreisliga B & C.

Und nun?

Stehe ich hier. Auf einem Fairway. Mitten im Herzen Düsseldorfs auf einem Golfplatz. Der Lausi.

Hätte ich es je gedacht? Nein. Aber das Gefühl, das ich empfinde, wenn ich spiele, ist das Gleiche wie vor 20 Jahren. Freude, Freiheit und pure Lust. Vielleicht ein wenig mehr Entschleunigung, aber das liegt sicher am Alter.

Sicher ist Golf nicht mit Fußball zu vergleichen. Der individuelle Anspruch ist ein anderer. Ruhe, Konzentration und Achtsamkeit fordern vor allem das Ding zwischen deinen Ohren. Und während du beim Fußball im besten Falle noch deine Kumpel neben dir hast, die für dich mitlaufen, frustrierst du dich beim Golf nur selber. Das ist schlimm.

Vor allem wenn noch knapp 4-4,5 Stunden vor dir liegen, und du das erste Loch schon sowas von versaut hast. Oder du die Runde deines Lebens spielst, auf den Spuren von Tiger wanderst, und dann Loch 17 und 18 kommen und dir auffällt, dass es Zählspiel ist. (Heißt, der Ball wird gespielt, bis er im Loch ist.) Es kann so manch einen Sonntag vermiesen …

Aber wenn es dann „klappt“ und du das erste mal das Gefühl hast, du kannst es, ist es ein super Gefühl. So wie bei deinem ersten Tor oder einem gehaltenen Elfmeter.

Aber was nun? Bolzplatz oder Fairway?

Ich möchte die Zeit auf den Sportplätzen Dortmunds nicht missen. Das Teamgefüge, die gemeinsamen Erfolge mit den Kumpels. Einzig und allein den Kunstrasen, den es heute am Rosengarten gibt, hätte ich auch gern bespielt. Und auch Mama hätte sich gefreut, dass die Asche nicht ständig in der Waschmaschine gelandet wäre.

Doch heute bin ich froh, dass ich den Weg auf den Golfplatz gefunden habe. Ich hab wunderbare Leute kennenlernen dürfen. Die Schmerzen nach einer 18 Loch Runde Golf sind nicht zu vergleichen mit den körperlichen Leiden nach 90 Minuten Fußball. Und die paar Kilo mehr, die ich heute im Vergleich zu vor 10 Jahren habe, sind positive Schwungmasse beim Golf.

Für meinen Sohn wünsche ich mir, wenn er denn Spaß an Sport haben sollte, dass er möglichst viele Erfahrungen sammelt. Dass er weiß, worauf es in einem Team ankommt, aber auch den individuellen Ansporn hat, sich weiterzuentwickeln. Dass er spürt, warum es sich lohnt, sich für eine Sache anzustrengen und zu trainieren.

Golf hat mir die letzten Jahre vor allem eines gelehrt. Demut und Geduld. Denn immer wenn du glaubst dass du es kannst, geht es voll in die Hose. Vermutlich ist


Ich kann‘s

daher auch der kürzeste Golfwitz.

Über den Autoren:

André Paetzel
André Paetzel
Mein Name ist André Paetzel und ich bin 32 Jahre jung. Ein echtes Kind des „Ruhrpotts". Nach meinem Abitur zog es mich ins Rheinland, wo ich in die Medienwelt eintauchen durfte. Heute bin ich als Brand Experience Officer bei Kienbaum tätig.
Seit nun mehr 10 Jahren beschäftige ich mich intensiv mit Marken im Kontext der Digitalisierung. Diese Welt reizt und inspiriert mich.

In meinen #MicroMoments halte ich sie für euch und mich fest.

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