in medio stat virtus

Der goldene Mittelweg.

Schon Aristoteles plädierte für den goldenen Weg der Mitte. Dabei unterschied er zwei Arten der Tüchtigkeit:

Die Vorzüge des Verstandes und die Vorzüge des Charakters

Die ersteren gewinnen ihren Ursprung und ihr Wachstum vor allem durch die Lehre, weshalb sie auf Erfahrung und Zeit angewiesen sind, während die Letzteren das Ergebnis von Erfahrung sind.

Doch was tun, wenn weder theoretisches Wissen, noch dazu Erfahrungen vorrätig sind. Die heutige Zeit lehrt uns dabei vor allem eines. Die nicht Planbarkeit des Unvorhersehbaren.


Mitte wird oft gleichgesetzt mit Mediokrität. Die politische Mitte versucht, zwischen den Polen zu vermitteln. Ein «fauler Kompromiss» sei oft das Resultat, wie Kritiker(innen) monieren. «Die goldene Mitte suchen» verkommt so zum kleinsten gemeinsamen Nenner, zum Slogan des Spiessertums.

Doch die Mitte ist gar nicht so leicht zu finden. In einer Gesellschaft, in der angeblich die Leistung jedes Einzelnen zählt, wird der Schwache oft vergessen. Schwach muss dabei nicht heißen, dass jemand körperlich nicht mithalten kann. Schwach ist auch der, der Wege für die Anderen geht, doch im rechten Augenblick nicht aufpasst und die Ausfahrt verpasst.


Wir leben in einer Zeit der organisierten Ablenkung


emeritierter Weihbischof Dick

Doch die Redewendung ist tiefgründiger, als die bloße Aussage des kleinsten gemeinsames Nenners. Sie zeigt das Wechselspiel zweier Gegenpole.

Die Anpassungsfähigkeit der Menschen ist erstaunlich. Eine wohlgeordnete Gesellschaft, die dazu tendiert, Individuen „einzumitten“, würde ohne sie nicht funktionieren. Anpassung ist eine harmonische, aber nicht spannungslose Beziehung zwischen Organismus und Umwelt. Ein völliges Gleichgewicht wird praktisch nie erreicht. 


Damals in den 30er Jahren, haben wir jeden Tag mit Millionen gespielt. Sie waren aber nichts wert. Was aber was wert war, waren die Menschen. Und den gleichen Wert haben sie noch heute.


emeritierter Weihbischof Dick

Und genau das fast unmögliche herstellen des „völligen Gleichgewichtes“ macht das Finden so schwer. Denn das Aufspüren eines ausgeglichenen Weges erfordert einen achtsamen Umgang. Ein Umgang auf Augenhöhe und ein gemeinsames Miteinander.

Manch einer mag das im Eifer des Gefechts wohl vergessen haben. Doch was passiert, wenn alles um einen herum auf einmal kein Wert mehr hat und man für sich gar nicht mehr weiß, was die gesunde Mitte ist?

Menschen, die für andere Menschen da sind, wenn es diesen schlecht geht, behelfen sich dann einer Sache. Der Nächstenliebe. Und jeder, dem es schon einmal schlecht ging weiß, wie viel Kraft die Liebe des Nächsten geben kann. Ob nur das positive Wort, die Umarmung oder der Schulterklopfer.

Verlieren Menschen ihre Basis, das Fundament, so wird es schwer für sie sein, die gesunde Mitte zu finden.

Über den Autoren:

André Paetzel
André Paetzel
Mein Name ist André Paetzel und ich bin 32 Jahre jung. Ein echtes Kind des „Ruhrpotts". Nach meinem Abitur zog es mich ins Rheinland, wo ich in die Medienwelt eintauchen durfte. Heute bin ich als Brand Experience Officer bei Kienbaum tätig.
Seit nun mehr 10 Jahren beschäftige ich mich intensiv mit Marken im Kontext der Digitalisierung. Diese Welt reizt und inspiriert mich.

In meinen #MicroMoments halte ich sie für euch und mich fest.

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