Kränkende Netzwerke

Corona und die daraus resultierenden Folgen und Umstände stellen jedes Individuum vor ganz neue Herausforderungen. Unsere über Monate, ja sogar Jahre geübte „Ordnungsstruktur“ geriet auf einmal aus dem Gleichgewicht.
Für den Einen eröffnen sich neue Schaffensräume, für den Anderen wirkt es wie eine Schlinge um den Hals. Wer die letzten Wochen und Monate mit offenen Augen durch seine Umwelt spaziert, erblickt verschiedene Phänomene und trifft ganz besondere Charaktere.

Die Entschleuniger, die auf ihrem Rad wohlmöglich noch nie so viele Kilometer abgespult haben, wie zu Corona Zeiten. Die sich neue „Radler-Kleidung“ gönnten und vermutlich noch einen neuen Drahtesel mit Carbon-Gabel zugelegt haben.
Die Ausbrecher, die ganz neue Seiten an sich und ihren eigenen Gewohnheiten erblicken. Die auf einmal regelmäßig spazieren gehen und merken, wie gut frische Luft tut.
Die Chillaxer, die sämtliche Online Shops leer kaufen und auf einmal merken, dass sogar selber kochen Freude bereitet. Die mal eben zum Mittag ein 3-Gänge-Menu zaubern. Warum? Weil sie es können.
Die Rebellen, die jede Situation am Schopfe packen, um sich unter das Volk zu mischen und provokant den Mund-Nasen-Schutz als Style Objekt am Kinn tragen.

Sie alle machen was aus dieser Situation. Was, ist ihnen selbst überlassen.

Fakt ist: Die Krise fordert uns zum Umdenken, zum Heraustreten aus alten Gewohnheiten und Bequemlichkeiten. Dann zeigt sich aber auch, dass wir mit Umsicht, Rücksichtnahme und mit der bewussten Übernahme von Verantwortung Schlimmeres verhüten können und wie sehr wir Menschen auf gegenseitige Unterstützung angewiesen sind und wie gut diese tut. So vielfältig wie die Menschen und ihre Probleme sind, so vielfältig sind die Reaktionen darauf.

Nicht nur das Verhalten und das Thema Corona, sondern das Thema Krankheit an sich, ist ein großer und zugleich schwieriger Komplex. Eine Krankheit verbindet unterschiedlichste Dinge.

Situationen, Erfahrungen, Motive, Gefühle und Belastungen.

Wie ein Hagelsturm prasseln sie auf uns hinein. Klopfen an unsere Schädeldecke und lassen uns so schnell auch nicht in Ruhe. Es verpflichtet uns zu handeln und unser Handeln umzustellen.

Das Kennenlernen einer Krankheit ist ein Teil der allgemeinen Sozialisation, in das ein Individuum ebenso wie auch in materielle Strukturen hineinwächst. Dann steht die Krankheit zur Verfügung, um in der Situation des Krankseins dem Erleben Sinn und Bedeutung zu geben.

Wenn Netzwerkstrukturen erschüttert werden

Ähnlich verhält es sich auch mit Netzwerken. Auf unterschiedlichsten Ebenen begegnen sie uns. Manchmal begeben wir uns selber hinein, ein anderes mal werden wir ohne gefragt zu werden zu einem wichtigen Knotenpunkt.

Gerade dann, wenn wir uns in ein von Experten und Laien gestricktes System begeben. Laiensysteme, die durch Alltags- und Allgemeinwissen aufgefüllt werden, kollidieren mit komplexen Wissenskonstrukten der Expertensysteme.

Habt ihr schon einmal ein Sympton gegoogelt?
(konfrontiert mit dem Suchergebnis besser nicht euren Arzt. Wenn ihr es noch zu ihm schaffen solltet)

Während sich Experten auf ihrem Niveau über Themen austauschen, gelten die Gedanken der Laien oftmals als unsortiert und nicht systematisch. Dem Laien bleibt der Zugang verschlossen.

Und doch, schwindet mit der Zeit die Kluft zwischen Laien-und Expertenwissen. Doch leider, bringt es oftmals einen faden Beigeschmack mit sich. Gerade, wenn wir über Krankheiten sprechen.

Die Verbindung der Erfahrung des Krankseins mit Bedeutung und die Verbindung mit Aktivitäten zur Heilungssuche. Beide Aufgaben führen zu komplexen und spezifischen Veränderungen des Wissens im Verlauf einer Erkrankung

Für unser eigenes Wirken, ob im stillen Kämmerlein, oder in Netzwerkstrukturen, heißt das vor allem folgendes
(meine persönliche Sichtweise)

>> zuhören & analysieren <<
Wer sich frisch in ein Netzwerk begibt, sollte sich erst einmal die Meinungen der Anderen anhören und diese für sich einordnen. Letztlich geht es immer auch darum, die richtigen Fragen zu stellen und nicht nur die Antworten zu geben.

>> aktivieren & kuratieren <<
Viele von euch kennen sicherlich die 90,9,1 Regel. Diese besagt, dass in großen Online-Communities 90 Prozent der Mitglieder die bereitgestellten Informationen ohne selbst etwas beizutragen nutzen, 9 Prozent der Mitglieder gelegentlich einen Beitrag leisten und 1 Prozent der Mitglieder für die Inhalte verantwortlich sind. Zwar gilt sie bei manch einem als absolut veraltet (siehe TikTok), aber man kann sicher festhalten, dass es immer mehr gibt, die konsumieren.
Möchte ich aber aktiv mit gestalten und irgendwann Gehör finden, komme ich um das eigene gestalten und aktiv sein nicht drum herum.

>> inspirieren & ermöglichen <<
Wer sein Wissen teilt und dazu noch in der Lage ist, es anschaulich zu vermitteln, wird sich schnell ein Rezipientennetzwerk aufbauen.
Denn die Inspiration, die vor allem durch Serendipität entsteht, ist der Nährboden einer jeden neuen Idee. Sie schafft nicht nur gedanklichen Freiraum, sondern setzt auch Impulse frei.

Über den Autoren:

André Paetzel
André Paetzel
Mein Name ist André Paetzel und ich bin 32 Jahre jung. Ein echtes Kind des „Ruhrpotts". Nach meinem Abitur zog es mich ins Rheinland, wo ich in die Medienwelt eintauchen durfte. Heute bin ich als Brand Experience Officer bei Kienbaum tätig.
Seit nun mehr 10 Jahren beschäftige ich mich intensiv mit Marken im Kontext der Digitalisierung. Diese Welt reizt und inspiriert mich.

In meinen #MicroMoments halte ich sie für euch und mich fest.

Weitere #micromoments: