Warum Fragen wichtiger sind als Antworten …

Wer heute in Unternehmen blickt, die sich mit Digitalisierung auseinandersetzten, wird vor allem über folgende Begrifflichkeiten stolpern.

Agilität und Wissenstransfer

Denn wie schafft man es nur, selber aus dem eigenen Trott zu kommen und noch dazu, eine neue Denke zu verkörpern. Denn schließlich hält uns die Medienwelt Tag für Tag vor Augen, dass wir uns bewegen müssen. Um nicht den Anschluss zu verlieren oder irgendwann von einer KI abgelöst zu werden.

40 Prozent der Unternehmen sehen die Entwicklung zum Arbeitsplatz der Zukunft relativ weit fortgeschritten, … während 79 Prozent der Mitarbeiter den Arbeitsplatz noch weit entfernt davon sehen …

Studie zum Arbeitsplatz der Zukunft von IDG Research und Sipgate

Durchaus scheint es also auch ein echtes Spannungsfeld zwischen den Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu geben. Nicht einfach, wenn Werte wie Gemeinschaft, Kollaboration und Agilität auf die Tagesagenda rücken. Denn jede Veränderung setzt bei weitem mehr als eine theoretische Grundlage voraus.

80 Prozent der befragten Mitarbeiter sagen, dass die kommunikative Kraft eine der Hauptanforderungen an eine moderne Führungskraft sein wird …

Studie zum Arbeitsplatz der Zukunft von IDG Research und Sipgate

Die Grundlage für Veränderung

Auch Agilität, Kollaboration und Co fordern Strukturen und Prozesse. Dinge, die oft genug vernachlässigt werden. Schließlich sind sie oft nicht direkt weiterberechenbar und werden erst „spät“ sichtbar. Jeden Einzelnen, der sich in diesen Konstrukten bewegt, stellt das vor eine neue Herausforderung.

Potenzialentfaltung vs Ressourcennutzung

Lasst uns bitte alle kreativ sein und noch einmal ein Schüppe drauflegen. Achtet nur darauf, dass bezahlte Jobs vorgehen. Manch einer, der zum Beispiel in der Kreativbranche arbeitet, wird das schon gehört haben. Aus der Sicht des Unternehmen ist es verständlich, schließlich will jeder von uns auch am Ende des Monats sein Gehalt haben. Und irgendwo muss es ja herkommen. Andererseits fragt man sich aber auch nach der Sinnhaftigkeit kreativer Preise, die immer mehr Organisationen und Netzwerke in Frage stellen.

Die Branchen haben ihre eigenen Gesetze und so gehört es halt dazu, dass man in der Medien-/ Kreativwelt den ein oder anderen Preis gewinnen muss, um zu Neugeschäften eingeladen zu werden, oder um an neue Talente zu kommen. Doch eine der Folgen ist, dass manch einer „einfach nur noch funktioniert“. Der persönliche Wille, sich fortzubilden ist zum Erliegen gekommen … Und das, wo es doch für alle ganz logisch und wichtig erscheint, sich neugierig in neue Themenfelder zu begeben.

4 von 5 Personalleiter geben an, dass ein sicherer und selbstverständlicher Umgang mit Informations- und Kommunikationstechnologien von hoher Bedeutung angesichts der zunehmenden Digitalisierung sind

Randstad ifo-fexindex

Es scheitert an der Umsetzung

Aber auch hier gibt es zwischen Theorie und Umsetzung einen großen Krater.

… 1 von 5 Arbeitnehmern (n = 10.000) erhält aktiv Vorschläge für Weiterbildungen durch seinen Vorgesetzten … jeder 4te geht davon aus, dass der Vorgesetzte selbst die möglichen Angebote für eine Weiterbildung gar nicht kennt …

Vodafone Stiftung

Wie gestern beschrieben (The Power of Networks), ist es oftmals die Routine, die uns hemmt und daran hindert, den Blick auf neue Themen und Möglichkeiten zu richten.

Alleine in Deutschland verursacht innere Kündigung jährlich bis zu 122 Milliarden € volkswirtschaftlichen Schaden


Gallup-Studie 2019

Dabei glauben rund 6 Millionen Beschäftigte nicht an ihr Unternehmen. Zudem sind Arbeitgeberwechsel für emotional ungebundene Mitarbeiter schneller in Erwägung zu ziehen. Die Folgen ungewollter Fluktuation reichen vom Aufwand für Neuausschreibung, Auswahlverfahren und Einarbeitung bis hin zum Knowhow Verlust und zur Kundenabwanderung. Zudem scheint die mangelnde emotionale Bindung an das Unternehmen erhebliche Auswirkungen auf die Innovationsfähigkeit der Arbeitnehmer zu haben. So bringen die emotional Gebundenen rund 45 Prozent mehr Anregungen für Verbesserungen in das Unternehmen ein. Aber auch für jeden von uns selber hat dieses Handeln enorme Auswirkungen.

Denn schließlich befassen wir uns nicht nur mit einem länger andauernden Arbeitsleben, sondern auch mit einer ständig steigenden höheren Lebenserwartung. Für die Mediziner steht daher eines fest.

Die längere Lebenserwartung bringt ein längeres Leben mit Krankheiten mit sich

Was braucht es, um gesund und motiviert zu bleiben?

In den 70er Jahren ging der Medizinsoziologe Aaron Antonovsky der Frage nach, was man braucht, um gesund zu werden und es auch zu bleiben. Er entwickelte ein Modell, das noch bis heute bestand hat.

Genannt Salutogenese – Der Frage nach der Entstehung von Gesundheit.

Die Wissenschaft von der Entstehung und Erhaltung von Gesundheit Antonovsky führte anhand einer Gruppe von Frauen, die in jungen Jahren in Konzentrationslagern inhaftiert gewesen waren, eine Studie zur Anpassungsfähigkeit an die Menopause durch. Er verglich ihre Fähigkeit, diesen besonderen hormonellen Zustand zu bewältigen, mit der einer Kontrollgruppe.

Trotz der Vorbelastung durch die Zeit im Konzentrationslager gab es Frauen, die Antonovsky körperlich und geistig als völlig gesund einstufte. Sie schienen körpereigene Ressourcen zu haben, die sie trotz der schlimmen Erlebnisse (Stressoren) gesund hielten. Durch Antonovskys Untersuchung wurde der bis dahin übliche Fokus der Wissenschaft auf die Entstehung von Krankheit (Pathogenese) durch die Aspekte der Salutogenese ergänzt. Für ihn war im Rahmen der Untersuchungen vor allem eines klar geworden.

In der Wissenschaft ist die Frage immer wichtiger als eine auf sie gegebene Antwort

Aaron Antonovsky

Der Fluss als Strom des Lebens

Als Metapher benutzte Antonovsky fortan immer einen Fluss, in dem sich ein Schwimmer aufhält. Denn für ihn schwimmen Menschen im Fluss voller Gefahren. Dabei versucht die Pathogenetische Medizin den Ertrinkenden aus dem Fluss zu retten. Er stellte sich aber die Frage, wie man den Menschen zu einem guten Schwimmer machen kann. Dabei entspricht die individuelle Fähigkeit zu schwimmen einer Persönlichkeitseigenschaft. Im Zentrum der Eigenschaften steht dabei das Kohärenzgefühl.

Das Zugehörigkeitsgefühl und eine tiefe innere Zufriedenheit mit sich selbst und anderen. Dieses Gefühl wird durch die genannten Ressourcen stimuliert.

Verstehbarkeit
Die Fähigkeit, Zusammenhänge herzustellen zwischen den Geschehnissen, die das Leben bereithält.

Handhabbarkeit
Die Fähigkeit, mit Geschehnissen umzugehen.

Sinnhaftkeit
Die Überzeugung, dass alle Geschehnisse einen Sinn haben. Durch diese Überzeugung fällt es leichter, die Geschehnisse zu akzeptieren.

Die persönliche Gestaltungskraft

Ich bin fest davon überzeugt, dass jeder von uns die Kraft besitzt, Krisen zu überwinden. Und wir alle wissen auch, wie gut es sich anfühlt, wenn man eine Sache, die man sich vorgenommen hat, geschafft hat. Taktgeber hierfür ist das neuronale Belohnungssystem im Gehirn. Doch um es auszulösen, braucht es unterschiedlichen Treibstoff. Einer ist vor allem die persönliche Begeisterung. Etwas, was uns von Geburt an mit auf den Weg gegeben wird. Doch leider geht sie bei vielen von uns auf dem Weg des älterwerdens verloren. Thomas Schönauer, ein bedeutender Düsseldorfer Künstler sagt daher

Ziel muss die Abschaffung des linearen Denkens sein.

Schon 1987 nahm auch Aaron Antonovsky an, dass es zu einem großen Sprung vorwärts in der Wissenschaft der Salutogenese kommen wird, wenn es weiterführende Antworten auf die Frage nach der Entstehung von Ordnung aus Chaos geben wird. Denn schließlich ist die Chaostheorie nichts anderes als die Beschreibung für die Entdeckung nicht linearer Systeme. Und die entstehen vor allem dann, wenn man ungewöhnliches versucht und sich aus seiner Komfortzone begibt.

Alle sagten immer das geht nicht. Dann kam Jemand der das nicht wusste und hat es einfach gemacht.

Für mich steht daher eines auf jeden Fall fest.
Emotionale Beteiligung
Aktive Erfahrung
Aufmerksamkeit
Erfolgserlebnisse
und
Bedeutsamkeit
sind Treiber für unsere Gesundheit. Sie sind es, die uns zu konstruktiver Dynamik verhelfen. Und sollten sie es nicht sein, die uns auf neue Ideen bringen, so können wir immer noch dem Serendipity Effekt vertrauen.

Über den Autoren:

André Paetzel
André Paetzel
Mein Name ist André Paetzel und ich bin 32 Jahre jung. Ein echtes Kind des „Ruhrpotts". Nach meinem Abitur zog es mich ins Rheinland, wo ich in die Medienwelt eintauchen durfte. Heute bin ich als Brand Experience Officer bei Kienbaum tätig.
Seit nun mehr 10 Jahren beschäftige ich mich intensiv mit Marken im Kontext der Digitalisierung. Diese Welt reizt und inspiriert mich.

In meinen #MicroMoments halte ich sie für euch und mich fest.

Weitere #micromoments: